Morgens um 6:30 Uhr von Geesthacht mit dem E31 über die A25 nach Bergedorf, von dort mit der S21 zum Hauptbahnhof, umsteigen in die S3 oder S31 nach Wilhelmsburg. So sieht ein normaler Dienstagmorgen während meines Schulblocks aus und so mein Stundenplan: 7:45 – 10:15 Uhr IT-Systeme, 10:15 – 16:30 Uhr Projekt im Lernfeld.
Dieser Dienstag unterschied sich von den anderen in dem Punkt, dass wir heute unsere IT-System-Klausur in den ersten Stunden schreiben mussten, und, wie sollte es anders sein, saß ich gerade heute wegen einer stehengebliebenen Bahn am Hauptbahnhof fest, wie ca. 500 weitere Passagiere, die alle wie ich mit der S31 oder der S3 Richtung Harburg fahren wollten. Das gesamte Gleis 4 war mit dichten Menschenmassen überladen und ich mitten drin, in der Hoffnung, dass irgendwann eine Bahn kommt und ich eine kleine Lücke darin ergattern konnte. Als nach einer enormen Zeitspanne in der bitteren Kälte (wäre ja schön gewesen, wenn diese Menschenmasse wenigstens Wärme gespendet hätte) endlich wieder eine Bahn kam, war sie bereits bei der Ankunft voll. 10 von 500 Passagieren haben es vermutlich noch geschafft sich hinein zu quetschen. Ich war nicht darunter… aber ich konnte in der Menge einige meiner Klassenkameraden finden. Zwei Bahnen später haben wir endlich eine Lücke in der Bahn ergattert, fuhren zur Schule und betraten den Raum 143. Überraschenderweise war der Raum fast leer, nur unser Lehrer und ein paar Schüler saßen darin. Wir setzten uns auf unsere Plätze mit verwunderten Gesichtern. Leider wartete dort eine überaus schlechte Nachricht auf uns. Unser Lehrer erzählte uns etwas, dass diesen Dienstagmorgen in ein starkes Tief und verwirrtes Schweigen gezogen hat.
Am vergangenen Sonntag hat sich unser Klassenkamerad Henning M. das Leben genommen. Ich spreche seiner Familie und seinen engen Freunden mein tiefes Beileid aus! Dieser Tag wird in trauriger Erinnerung bleiben.

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